Alle 25 Minuten wird ein Elefant ermordet. Als Pate oder Patin helfen Sie mit Ihrem regelmäßigen Beitrag, die grauen Riesen zu beschützen. Setzen Sie jetzt ein Zeichen gegen die brutale Wilderei!
Elefanten-PatenschaftZwei Jahre Freiheit: Was aus Retetis ersten ausgewilderten Elefanten geworden ist
Warum jede Auswilderung Hoffnung schafft
Vor über zwei Jahren verließen 13 verwaiste Elefanten das Reteti Elephant Sanctuary im Norden Kenias und kehrten dorthin zurück, wo sie hingehören: in die Wildnis. Heute zeigt sich, dass erfolgreiche Auswilderung weit mehr bedeutet als das Öffnen eines Tores. Sie beginnt Jahre vor der Freilassung – und endet nicht an dem Tag, an dem ein Elefant zum letzten Mal von seinen Pflegern begleitet wird.
Am 21. Juni 2024 wurden die 13 Elefantenwaisen – Kapai, Motumi, Ol Pejeta, Meibae, Lorian, Hamsini, Kikwar, Sesia, Kelele, Sarara, Lemorijo, Sere und Kone – in der Namunyak Community Conservancy freigelassen, einer weitläufigen Landschaft aus Bergen, Flusstälern und Savannen im Norden Kenias. Anders als viele klassische Schutzgebiete ist Namunyak kein abgeschottetes Reservat, sondern von der Gemeinschaft geführtes Land, auf dem sich Wildtiere, Vieh und Menschen denselben Lebensraum teilen – mit Zustimmung der ansässigen Bevölkerung. Gerade deshalb gilt die Auswilderung als außergewöhnlicher Erfolg: Seit mehr als 750 Tagen bewegen sich die Elefanten frei durch die Landschaft, ohne dass ein einziger von ihnen einen dokumentierten Mensch-Elefant-Konflikt verursacht hat.
Der Weg in die Freiheit beginnt Jahre zuvor
Eine Auswilderung ist kein einzelnes Ereignis – sie ist das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung.
Wenn verwaiste Elefantenkälber nach Reteti kommen, sind sie häufig geschwächt und ohne jede Chance, allein zu überleben. Im Sanctuary erhalten sie Milch, tierärztliche Versorgung und die intensive Fürsorge erfahrener Keeper, während sie zugleich schon Kontakt zu anderen Waisen aufbauen können. Mit wachsender Kraft unternehmen die Kälber täglich Spaziergänge durch den Busch: Sie lernen, welche Pflanzen sie fressen können, begegnen Wildtieren und knüpfen erste soziale Bindungen.
Im Alter von etwa fünf bis sieben Jahren beginnt die schrittweise Entwöhnung. Die künftigen Auswilderungskandidaten ziehen in ein spezielles Entwöhnungsgehege um, verbringen immer mehr Zeit selbstständig grasend in der Wildnis – und immer weniger Zeit mit Menschen. Vor der Freilassung wurden alle 13 Tiere mit GPS-Halsbändern ausgestattet, die alle ein bis drei Stunden ihre Position übermitteln, sodass Bewegungen und Gesundheitszustand auch nach der Auswilderung engmaschig begleitet werden können.
Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt nach der Freilassung
Die größte Herausforderung bestand nicht darin, die Elefanten von Menschen fernzuhalten, sondern ihnen die Fähigkeiten mitzugeben, in einer komplexen, gemeinsam genutzten Landschaft selbstständig zurechtzukommen: Wasser und Nahrung finden, sich wilden Herden anschließen, Gefahren erkennen, Menschen und Vieh ausweichen.
Wie unberechenbar dieser Weg sein kann, zeigen mehrere Rückschläge. Der junge Bulle Sarara überlebte einen schweren Löwenangriff mit Verletzungen an Hinterbeinen, Rippen, Hals und Stirn – eine schmerzhafte, aber lehrreiche Erfahrung, die der ganzen Herde half, ihr Verhalten zur Abwehr von Raubtieren weiterzuentwickeln. Kikwar erkrankte zeitweise und trennte sich vorübergehend von der Hauptgruppe, während Kelele durch eine frühere Beinfraktur in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt blieb. Auch das unwegsame Gelände der Mathews Range erschwerte die Überwachung immer wieder, zumal GPS-Halsbänder gelegentlich ausfielen oder Satellitensignale schwach waren.
Nicht jede Geschichte endete glücklich. Kone starb im Oktober 2024 an den Folgen eines schweren Parasitenbefalls – trotz intensiver Pflege und zusätzlicher Fütterung ergab die Obduktion diese Todesursache. Im Dezember 2024 geriet Kelele außerhalb der Schutzgebietsgrenzen zwischen die Fronten eines bewaffneten Viehkonflikts und kam dabei ums Leben. Beide Verluste bestärkten Reteti, die von der Gemeinschaft geführten Schutzgebiete weiter auszubauen, und zeigen, wie unverzichtbar die langfristige Begleitung der Tiere bleibt.
Woran erkennt man eine erfolgreiche Auswilderung?
Zurück in die Savanne. - Foto: Reteti
Heute leben elf der ursprünglich 13 ausgewilderten Elefanten selbstständig in Namunyak. Sie haben sich wilden Herden angeschlossen, finden eigenständig Nahrung und Wasser und legen je nach Jahreszeit weite Wanderungen zurück – in Trockenperioden oft über größere Distanzen, nach Regenfällen wieder näher an Reteti, wo Futter reichlicher verfügbar ist.
Auch ihre Sozialstruktur hat sich gefestigt: Die Weibchen bleiben meist zusammen, angeführt von Kapai, mit Hamsini und Motumi in ebenfalls führenden Rollen. Einige Männchen bilden zeitweise eigene Untergruppen, bevor sie sich wieder der Herde anschließen – ein natürliches Zeichen wachsender Unabhängigkeit. Bei Begegnungen mit wilden Elefanten zeigte sich die Herde durchweg friedlich; einmal schlossen sich sechs der freigelassenen Tiere sogar vorübergehend einer großen Ansammlung mehrerer wilder Familiengruppen an. Nutztieren und Hirten hingegen weichen sie in der Regel aus – ein besonders aussagekräftiges Zeichen dafür, dass die Gewöhnung an Menschen nachlässt.
„Wir freuen uns, berichten zu können, dass das zweite Jahr der Herde in der Wildnis insgesamt gut verlaufen ist. Dank ergiebiger Regenfälle fanden die jungen Elefanten vielfältige frische Nahrung und ausreichend Wasser", sagt Peter Lenasalia, Leiter des Reteti Elephant Sanctuary.
Auswilderung ist Naturschutz
Kälber wie Ngare Mara werden heute schon auf die Auswilderung in 2028 vorbereitet. - Foto: Thige Njaguna/Reteti
Die Rettung eines verwaisten Elefantenkalbs ist oft der erste sichtbare Schritt – für den Schutz der Art aber nur ein Baustein. Langfristiger Elefantenschutz gelingt nur, wenn große zusammenhängende Lebensräume erhalten bleiben, Wildtiere und Menschen konfliktarm zusammenleben können und lokale Gemeinschaften aktiv eingebunden sind. Elefantenrettung allein kann weder Lebensraumverlust noch Wilderei, bewaffnete Konflikte oder zerschnittene Wanderrouten ausgleichen – sie ist Teil eines größeren Ansatzes.
Die Reteti-Herde zeigt, wie diese Elemente ineinandergreifen: Elf ehemalige Waisen leben heute frei in einer Landschaft, die von Menschen, Vieh und Wildtieren gemeinsam genutzt wird – ohne dokumentierte Konflikte. Gleichzeitig liefern ihre Wanderungen und ihr Verhalten wichtige Erkenntnisse, um künftige Auswilderungen noch besser vorzubereiten und wissenschaftlich zu begleiten.
Der Blick nach vorn
Die Geschichte der Reteti-Herde ist noch lange nicht zu Ende. Während die ausgewilderten Elefanten ihren Platz in der Wildnis gefunden haben, laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Auswilderung, geplant für 2028. Gleichzeitig soll ein zweites Sanctuary entstehen – und damit künftig noch mehr verwaisten Elefanten die Chance geben, gesund aufzuwachsen, sich auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten und eines Tages dorthin zurückzukehren, wo sie hingehören: in die Wildnis.
