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Elefanten-PatenschaftAuf eine gute Nachbarschaft
Wenn die Giganten der Savanne durch Dörfer streifen: In Tansania schützen Einsatzteams Menschen und Elefanten – und ermöglichen eine friedliche Koexistenz.
Lameck Mkuburo fallen viele Gründe ein, warum er die Afrikanischen Savannenelefanten in seiner Heimat Tansania liebt. „Sie vergessen nie“, sagt der Wildtierbiologe und Gründer der NABU-Partnerorganisation „Tanzanian Elephant Foundation“ (TEF). „Wie wir trauern sie um ihre Toten und schmücken deren Knochen selbst nach Jahrzehnten mit frischen Ästen.“ Die größten Landtiere unserer Zeit sind unverzichtbar fürs Ökosystem: Sie graben Wasserlöcher, sichern so das Überleben vieler Arten und pflanzen durch ausgeschiedene Samen neue Vegetation.
Mensch-Elefanten-Konflikte
"Wollen wir die Lebensgrundlage der Dörfer und die Zukunft der Elefanten sichern, müssen wir ihre Korridore schützen" Lameck Mkuburo, Direktor von TEF. - Foto: TEF
Doch die tierischen Gärtner sind bedroht. Nur noch 1.273 von ihnen leben im Mkomazi-Nationalpark. Auf der Suche nach Wasser, Nahrung und Partnern legen sie weite Wanderungen zurück. Mit wachsender Bevölkerung und Infrastruktur wird ihr Lebensraum zunehmend zerschnitten. Beim Umgehen von Straßen und Eisenbahnschienen verlassen sie den Nationalpark – und treffen in den umliegenden Dörfern auf Menschen. Die Giganten zertrampeln Ernten, die Lebensgrundlage der Dorfgemeinschaften – mit teils tödlichen Folgen für beide Seiten. „Wir bauen Mais, Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln und Maniok an. Unsere Felder bedeuten unser Überleben“, so Regina Simon. Sie ist Bäuerin im Ort Kisiwani nahe dem Nationalpark. „Doch die Elefanten kamen nachts und zerstörten alles, wofür wir so hart gearbeitet haben.“ Aus Hoffnungslosigkeit verließen manche ihre Farmen. „Unser Leben war geprägt von Angst und Frustration“, erinnert sich Simon. „Wir sahen die Elefanten als Zerstörer unserer Lebensgrundlage.“
Schutz durch „Community Response Teams“
NABU International unterstützt TEF in dem Schutz der Elefanten und der Sicherheit für die Menschen. GPS-Halsbänder für die Tiere helfen, ihre neuen Wanderkorridore zu erkennen: Welche Wege schlagen sie ein, nachdem die ursprünglichen durch Infrastruktur versperrt wurden? Wo sind Konflikt-Hotspots? Wann und wo nähern sich die Giganten den Dörfern – und was dann? Dank der „Community Response Teams“ können die Gemeinden selbstwirksam auf Begegnungen reagieren:
Seit 2024 werden Dorfbewohner*innen geschult, um ihr Zuhause vor umherziehenden Elefanten zu schützen. Sie erhalten Schutzkleidung für unwegsames Gelände, Mobiltelefone, Kranken- und Lebensversicherungen für sich und ihre Familien. Sobald ein Elefant die Grenze des Nationalparks überschreitet, werden sie per Mobiltelefon alarmiert. Egal ob Tag oder Nacht, nun heißt es: Einsatz. Die Teams eilen zu den Elefanten und lenken sie mithilfe von visuellen, akustischen und Geruchsreizen von den Feldern weg. Werkzeuge sind unter anderem Taschenlampen, Tröten und Chilipulver.
Abschnittsweise halten auch Bienenzäune die Elefanten von den Dörfern fern. Mit 6,1 Kilometern, so Mkuburo, auch der längste der Welt. Selbst „Dickhäuter“ schützen sich vor Stichen an sensiblen Stellen. Und die Gemeinschaften ernten Honig und verkaufen einen Teil an Tourist*innen, die auf ihrem Besuch mehr über das Projekt erfahren. Parallel leistet TEF Bildungs- und Aufklärungsarbeit in den Dörfern und an Schulen. Vermittelt werden unter anderem die ökologische Bedeutung der Elefanten und Sicherheitstipps für Begegnungen mit ihnen. TEF legt bei seiner Projektarbeit auch Wert auf Gleichberechtigung: „Wir binden Frauen von Anfang an ein und bestärken sie darin, Rollen mit Verantwortung und Führung zu übernehmen“, erzählt Mkuburo.
Erfolge und Perspektivwechsel
Die Arbeit trägt Früchte, auf den Feldern und darüber hinaus. „Es ist ein schöner Moment, wenn die Gemeinschaft sich nach erfolgreicher Ernte bei uns bedankt“, findet Mkuburo. Seit Beginn des Projekts wurden acht Elefanten besendert und vier Response Teams ausgebildet. In 1.215 Einsätzen schützten sie 3.734 Hektar Ackerfläche – etwa so viel wie 5.200 Fußballfelder. Nächste Schritte sind die Ausbildung weiterer Teams, und, sobald es Fördermittel zulassen: Drohnen, um die Arbeit in unzugänglichem Gelände zu erleichtern. Dank der GPS-Halsbänder konnten potenzielle Wanderkorridore identifiziert werden. Die gesammelten Daten sollen die Regierung zum Handeln bewegen: „Wollen wir die Lebensgrundlage der Dörfer und die Zukunft der Elefanten sichern, müssen wir ihre Korridore schützen“, so Mkuburo.
Regina Simon an einem Bienenzaun. Dank des Projekts hat sich nicht nur ihr Leben verbessert, auch die Elefanten werden geschützt. - Foto: TEF
Doch einer der größten Erfolge findet bereits in den Köpfen der Menschen statt. Zum Beispiel in dem von Regina Simon, der Farmerin aus Kisiwani. Mit dem Projekt kam Wandel ins Dorf, erzählt sie. Nachdem die Bienenzäune und Community Response Teams die Elefanten von den Feldern fernhielten, kehrten viele Bäuerinnen und Bauern zurück – zu ihren Farmen, ihrer Existenz, zu Sicherheit und Selbstvertrauen. Simon sagt: „Heute sehe ich Elefanten nicht mehr als Feinde, sondern als Teil unserer gemeinsamen Umwelt. Ich bin stolz darauf, mit ihnen zu koexistieren – und bereit, anderen zu zeigen, wie wir gleichzeitig unsere Existenz und diese großartigen Tiere schützen können.“
Autorin: Carina Neumann-Mahlkau
Im Mkomazi-Tsavo-Ökosystem geraten Elefanten immer häufiger in Kontakt mit Menschen. GPS-Halsbänder, lokale Schutzteams und Bildungsarbeit helfen, Wanderwege besser zu verstehen, Konflikte zu verringern und das Zusammenleben langfristig zu stärken. Mehr →
