Auf Spurensuche nach den Löwen
Wie KopeLion die Großkatzen im Ngorongoro-Schutzgebiet erfasst
Wer einen Löwen an seinen Schnurrhaarflecken erkennt, kennt die Tiere meist seit Jahren. Für die Ilchokuti von KopeLion gehört genau das zum Alltag. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erfassen sie derzeit die Löwenpopulation im Ngorongoro-Schutzgebiet in Tansania. Die diesjährige Erhebung ist bereits die zweite jährliche Löwenzählung des Projekts. Über einen Zeitraum von drei Monaten sammeln die Teams Daten über Bestand, Verbreitung und Lebensraumnutzung der Tiere. Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen für ihren langfristigen Schutz.
Die Löwenzählung ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Löwen bewegen sich über große Distanzen und durchqueren unterschiedliche Lebensräume. Um einzelne Tiere eindeutig zu identifizieren, nutzen die Teams eine besondere Methode: Jeder Löwe besitzt ein individuelles Muster von Schnurrhaarflecken, das ähnlich einzigartig ist wie ein Fingerabdruck beim Menschen. Anhand dieser Merkmale lässt sich nachvollziehen, welche Tiere bereits bekannt sind, ob sich Rudel verändert haben oder ob neue Löwen in das Gebiet eingewandert sind.
Für die Teams ist genau das einer der spannendsten Aspekte der Zählung – bekannte Tiere wiederzusehen und vielleicht neue Gesichter in der Savanne zu entdecken.
Die Erhebung liefert weit mehr als eine Momentaufnahme der Population. Regelmäßige Bestandserfassungen helfen dabei, langfristige Entwicklungen zu verfolgen und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zu bewerten. Sie zeigen, wo sich Löwen bevorzugt aufhalten, welche Wasserstellen sie nutzen und wie sie sich durch die Landschaft bewegen. Gleichzeitig machen die Daten sichtbar, wo Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren entstehen oder entstehen könnten. So können Maßnahmen gezielt dort umgesetzt werden, wo sie den größten Nutzen für Menschen und Löwen bringen.
Das Ngorongoro-Schutzgebiet nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Gemeinsam mit dem Ngorongoro-Krater und dem benachbarten Serengeti-Nationalpark bildet es einen zentralen Teil des Serengeti-Ökosystems. Während der Krater mit seinem ganzjährig hohen Wildbestand ein wichtiger Rückzugsraum für Löwen ist, dient das weitere Schutzgebiet als Verbindungskorridor für Wildtiere. Jedes Jahr ziehen große Herden von Gnus, Zebras und Gazellen durch die Region und bieten den Löwen außerhalb des Kraters eine wichtige Nahrungsgrundlage. Gleichzeitig ermöglichen diese Wanderungen den Austausch zwischen verschiedenen Löwenpopulationen und tragen dazu bei, ihre genetische Vielfalt zu erhalten.
Nach Abschluss der Zählung werden die Daten ausgewertet und mit Partnerorganisationen sowie staatlichen Stellen in Tansania geteilt. Die Ergebnisse fließen in Schutzstrategien für Löwen und andere Wildtiere ein und unterstützen Entscheidungen zum Management des Schutzgebiets. Für die Teams von KopeLion bedeutet die jährliche Zählung jedoch mehr als Datenerhebung: Sie ist eine gemeinsame Anstrengung, die unterschiedliche Erfahrungen und Fachkenntnisse zusammenbringt – mit dem Ziel, die Zukunft der Löwen im Ngorongoro-Ökosystem langfristig zu sichern.
