Helfen Sie uns und werden Sie jetzt Förder*in – mit Ihrem regelmäßigen Beitrag können wir international dort tätig sein, wo es am Nötigsten ist.
Jetzt Förder*in werden!Geierschutz in Laikipia: Konflikte lösen, Biodiversität bewahren
Wie Naturschützer Victor Leteele gemeinsam mit lokalen Gemeinden Geier im Norden Kenias schützt
Wenn Victor Leteele mit seinem Motorrad von Rumuruti aus in die Savanne fährt, beginnt sein Arbeitsgebiet dort, wo die Straße endet. Die staubige Kleinstadt in Zentralkenia ist Verwaltungssitz des Laikipia County und ein wichtiger Handelsplatz für die Menschen der Region. Auf den fruchtbaren Böden wachsen Weizen und Kartoffeln, Vieh aus der umliegenden Savanne wird hier verkauft. Von hier aus führen staubige Pisten hinaus in eine weite Landschaft aus Savanne, Farmen und kleinen Siedlungen.
Nicht weit von der Stadt liegen der Rumuruti-Wald und ein Feuchtgebiet – ökologisch wertvolle Gebiete mit hoher Biodiversität, die jedoch zunehmend unter Nutzungsdruck stehen. Hinter Rumuruti beginnen die weitläufigen Naturreservate der Northern Rangelands. Hier leben Elefanten, Zebras, Giraffen und Antilopen, aber auch Löwen, Hyänen und Schakale.
Genau hier, in der weiten Savannenlandschaft rund um Rumuruti, arbeitet Victor Leteele. Seit 2022 setzt sich der Mitarbeiter unserer Partnerorganisation Cranes Conservation Volunteers (CCV) für den Schutz der in Kenia stark zurückgehenden Geier ein.
Zusammenleben in der Savanne
Victor besucht die weit verstreut lebenden Samburu-Familien in einem Radius von rund 50 Kilometern. Viele von ihnen leben mit ihren Herden weit entfernt von Schulen, Krankenhäusern oder staatlichen Einrichtungen. Landwirtschaftliche Beratung gibt es kaum, und die nächste Schule ist oft mehrere Stunden entfernt.
Das Leben ist anspruchsvoll für die Familien in dieser Landschaft. Jeder Verlust eines Haustieres kann existenzbedrohend sein.
Wenn Löwen oder Hyänen nachts in die mit Dornenbüschen befestigte Boma (Viehgehege) eindringen und Tiere reißen, versuchen Hirten oft, sich zu wehren. Das tote Haustier wird manchmal mit Gift präpariert und außerhalb des Geheges abgelegt. Kehren die Raubtiere zurück, vergiften sie sich.
Doch häufig sind nicht nur die Beutegreifer betroffen.
Wenn Gift die Falschen trifft
Geier werden von den Kadavern angelockt und sterben an den Giftstoffen. Dabei spielen sie eine entscheidende Rolle im Ökosystem: Als Aasfresser beseitigen sie Tierkadaver schnell und verhindern so die Ausbreitung von Krankheiten. In den vergangenen 15 Jahren sind die Geierbestände in Afrika um bis zu 80 Prozent zurückgegangen.
Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen eines seltenen Schmutzgeierpaares. Der Schmutzgeier – auch Egyptian Vulture genannt – ist Victors Lieblingsgeier. In Nordkenia kommt er unter anderem in Samburu County vor, etwa an den Opiroi Cliffs im Kirisia Forest sowie in der Region um Mugui und Lolokwe. Stirbt einer der beiden Vögel durch Vergiftung, würde dieses seltene Brutvorkommen verschwinden.
Geier im Projektgebiet
Im Projektgebiet in Laikipia kommen sechs Geierarten vor, die alle stark bedroht sind:
- Weißrückengeier
- Ohrengeier
- Sperbergeier
- Kappengeier
- Wollkopfgeier
- Schmutzgeier (Egyptian Vulture)
Besonders bemerkenswert ist ein Brutpaar des seltenen Schmutzgeiers. Stirbt einer der beiden Vögel durch Vergiftung, könnte dieses kleine Vorkommen in der Region verschwinden.
Bei Filmabenden unter freiem Himmel zeigt Victor Leteele Naturfilme und spricht mit den Menschen über Naturschutz.- Foto: Victor Leteele/CCV
Um mit den Menschen zu sprechen, ist Victor oft stundenlang unterwegs. In der Trockenzeit wirbelt der rote Staub der Pisten auf, in der Regenzeit wird der sogenannte Black-Cotton-Soil tief und rutschig.
Oft bleibt Victor über Nacht bei den Familien, denn erst am Abend kehren die Hirten mit ihren Tieren zu den Viehgehegen zurück. Dann kommen die Menschen zusammen. Bei seinen Aufklärungsabenden erklärt Victor mit Postern, Informationsbroschüren und einem tragbaren Projektor die ökologische Bedeutung der Geier und spricht über nachhaltige Landnutzung.
Die Treffen sind geprägt von Gesprächen und gegenseitigem Austausch. Die Hirten berichten von ihren Beobachtungen in der Savanne, von Wildtieren oder ungewöhnlichen Ereignissen.
„Es hat lange gedauert, bis ich das Vertrauen der Menschen gewonnen habe“, sagt Victor. „Dass ich selbst Samburu bin, ihre Sprache spreche und ihre Kultur kenne, hat dabei sehr geholfen.“
So entsteht Vertrauen – eine wichtige Grundlage für erfolgreichen Naturschutz.
Naturschutz mit den Menschen
Über 600 Menschen wurden mit Unterstützung der NABU International Naturschutzstiftung erreicht. Die Zahl vergifteter Wildtiere und getöteter Haustiere ist im Projektgebiet spürbar zurückgegangen.
Für Victor steht fest: „Naturschutz ist nur mit den hier lebenden Menschen möglich.“
Der Geierschutz in Laikipia zeigt, dass wirksamer Artenschutz dort beginnt, wo ökologische Verantwortung und soziale Realität zusammenkommen – zwischen Viehherden, Savannenwind und kreisenden Schatten am Himmel.
Kenia: Immer häufiger sterben Geier an vergifteten Kadavern. Ein Projekt mit Solarlampen, dass ursprünglich Vieh vor Beutegreifern schützen sollte, hilft nun auch den unterschätzten Aasfressern. Mehr →
Im kenianischen Laikipia wurde ein vergifteter Löwe am Straßenrand gefunden. Vorfälle wie diese sind lebensbedrohlich für die Aasfresser. Der massive Einsatz von Giften aus der Landwirtschaft ist ein zentraler Grund für die rapide Bestandsabnahme der Geier. Mehr →
