Mehr als ein Projekt
Was zehn Jahre gemeinschaftlicher Naturschutz am Lake Ol’Bolossat in Kenia verändert haben
Als die Cranes Conservation Volunteers (CCV) vor zehn Jahren ihre Arbeit aufnahmen, war der Bestand des Grauen Kronenkranichs rund um den Lake Ol’Bolossat im Hochland Kenias stark zurückgegangen. Brutplätze verschwanden, Feuchtgebiete wurden trockengelegt, erfolgreiche Bruten blieben zunehmend aus. Der Rückgang geschah fast unbemerkt.
In seiner Rede zum zehnjährigen Bestehen erinnerte sich George Muigai, Direktor und treibende Kraft hinter CCV, an genau diesen Wendepunkt: „Vor zehn Jahren wurde der Ruf des Grauen Kronenkranichs immer leiser.“
Die Bodenbrüter fühlen sich auf den Feuchtwiesen am Lake Ol\'Bolossat wohl, doch werden die Nester leider auch von Wilderern oder streunernden Hunden geplündert. - Foto: CCV
Der Ausgangspunkt für CCV war also keine einzelne Katastrophe. Es war vielmehr das Gefühl, dass Abwarten keine Option mehr war. Wenn sich etwas ändern sollte, musste der Schutz der Kraniche aus der Region selbst kommen – getragen von den Menschen, die dort leben.
So entstand Schritt für Schritt ein lokales Netzwerk für Naturschutz am Lake Ol’Bolossat. Hirt*innen, Bäuer*innen, Lehrer*nen, Schüler*innen und Älteste wurden zu Freiwilligen. Gemeinsam begannen sie, Brutplätze zu kartieren, Nester während der gesamten Brutzeit zu begleiten und empfindliche Feuchtgebiete zu schützen - um den Lake Ol’Bolossat herum, dem einzigen See im zentralen Hochland Kenias und Mittelpunkt der Kranichschutzarbeit.
Naturschutz verbindet - George Mugai im Austausch mit den Kranichschutz-Kollegen von Nature Tanzania - Foto: NABU
Die ersten Jahre waren oft unspektakulär. Muigai selbst fuhr zunächst mit dem Fahrrad rund um den See, später mit dem Motorrad, um Brutplätze zu kontrollieren und mit den Gemeinden zu sprechen. Saison für Saison, bei Sonne, Regen oder Kälte.
Heute unterstützen ihn rund 20 lokale „Champions“, die Nester überwachen und als Bindeglied zwischen Gemeinden und Naturschutzarbeit fungieren.
Beim jährlichen Korongo-Cup am Ol’Bolossat treten immer mehr Teams an. Hier wird nicht nur Fußball gespielt, sondern auch die Umwelt geschützt: durch gemeinsames Bäumepflanzen. - Foto: VfB
Ein Grundprinzip war von Anfang an klar: Naturschutz funktioniert nur gemeinsam mit den lokalen Gemeinden. „Wir wollten niemandem erklären, wie Naturschutz funktioniert“, sagt Muigai. „Wir wollten zuhören und gemeinsam Lösungen entwickeln.“ Deshalb findet Umweltbildung heute auch in Schulen statt, auf Dorfversammlungen oder beim Korongo-Fußballturnier, bei dem Umweltthemen ganz nebenbei Teil der nun etablierten Sportveranstaltung werden.
Die Wirkung dieser gemeinschaftlichen Naturschutzarbeit zeigt sich besonders deutlich in den Brutstatistiken.
In der Brutsaison 2015/2016 wurde kein einziges Küken flügge. In der letzten Saison konnten 87 flügge Jungvögel des Grauen Kronenkranichs rund um den Lake Ol’Bolossat dokumentiert werden. Diese Entwicklung steht für bessere Brutbedingungen, kontinuierliche Nestbetreuung und eine wachsende Akzeptanz von Schutzmaßnahmen in den umliegenden Gemeinden.
Ganz verschwunden sind die Herausforderungen allerdings nicht. Immer wieder kommt es zu einzelnen Fällen von Wilderei, häufig im Zusammenhang mit Fischerei rund um den See.
Gleichzeitig wächst eine neue Generation von Naturschützer:innen heran. Über Stipendienprogramme von CCV werden junge Menschen aus der Region gefördert – darunter Charles, der heute selbst Teil der Bewegung ist. Muigais Engagement reicht inzwischen über den Lake Ol’Bolossat hinaus. In Samburu County, rund um Lolokwe, die Opiroi Cliffs und den Kirisia Forest, arbeitet er auch am Schutz von Geiern in Kenia.
Als Muigai zum Abschluss der Jubiläumsfeier auf die vergangenen zehn Jahre zurückblickt, klingt in seinen Worten Stolz mit – aber auch der Blick nach vorn.
„Heute feiern wir nicht nur zehn Jahre Arbeit“, sagt er. „Heute beginnt das nächste Kapitel.“
Am Lake Ol’Bolossat zeigt sich, was möglich wird, wenn Naturschutz lokal verankert ist – und wenn Menschen beschließen, Verantwortung für ihre Landschaft zu übernehmen.
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