Einsatz mit Spürnase: Wie Hunde in Assam die Wildtierüberwachung stärken
Vier K9-Einheiten unterstützen den Schutz gefährdeter Arten in Assam. Ihr Einsatz zeigt, wie tierische Präzision und menschliche Expertise zusammenwirken.
Die Feuchtgebiete bieten Panzernashörnern ideale Lebensbedingungen. Doch ihr Fortbestand ist nur gesichert, wenn die Tiere konsequent vor Wilderei geschützt werden. - Foto: AdobeStock/H K Singh
Im artenreichen Tiefland von Assam, Indien, wo sich Nebel über Graslandschaften legen und nur noch wenige Panzernashörner durch dichte Wälder streifen, sind sie unterwegs: Reeni, Leon, Misky und Rudra – vier Spürhunde, ausgebildet für einen der gefährlichsten Jobs im Naturschutz. Gemeinsam mit ihren Handlern - den Hundeführern - sind sie Teil einer K9-Einheit, die in Assam gegen Wilderei, illegalen Handel und Umweltkriminalität arbeitet. Was sie leisten, zeigt, wie wirkungsvoll Vertrauen, Training und Konsequenz im Schutz gefährdeter Arten sein können.
Reeni, eine junge, aufmerksame Hündin, wurde im März 2025 in das Laokhowa-Burhachapori-Schutzgebiet entsandt. An der Seite ihres Handlers Shailendra Daimary durchquert sie abgelegene Pfade, überquert Wasserläufe und legt oft mehrere Kilometer täglich zurück. Elf gemeinsame Patrouillen, mehr als 85 Kilometer zu Fuß – und eine klare Botschaft an die Region: Hier wird genau hingesehen. Ihre Anwesenheit allein wirkt präventiv gegen illegale Aktivitäten.
Leon, ihr erfahrener Kollege, ist im bekannten Kaziranga-Nationalpark im Einsatz. In enger Zusammenarbeit mit Handler Mrigen Das – zeitweise vertreten durch Anil Das – spürte er kürzlich eine verdächtige Fährte auf, die möglicherweise mit Wilderei im Zusammenhang stand. Selbst Nashörner kreuzten dabei ihren Weg. Dass Leon sich auch in riskanten Situationen fokussiert bewegt, macht ihn zu einem unverzichtbaren Teil der Anti-Wilderei-Arbeit.
Ganz andere Töne prägt derzeit Misky, die älteste im Team. Nach Jahren im Einsatz zwingen sie gesundheitliche Einschränkungen in eine ruhigere Phase. Im April wurde ein Tumor operativ entfernt. Handler Nirmal Kalita sorgte für schnelle Hilfe und begleitet Misky seither durch ihre Genesung – mit Fürsorge, Routine und viel Geduld. Auch wenn sie derzeit keine Einsätze mehr bestreitet, bleibt sie Teil des Teams – als Symbol für Erfahrung, Loyalität und stille Stärke.
Handler und Spürhund bilden ein eingespieltes Team – Fürsorge und gegenseitiges Vertrauen sind ihre Stärke. - Foto: NABU/Barbara Maas
Und dann ist da noch Rudra – voller Energie, neugierig, lernwillig. Der jüngste Hund im Programm wird derzeit in Guwahati intensiv ausgebildet. Besonders im Mantrailing zeigt er bemerkenswerte Fortschritte. Seine erste Feldmission steht bevor – die Spannung ist greifbar. Trainer Jayanta begleitet ihn auf dem Weg dorthin, Schritt für Schritt, Spur für Spur.
Das Projekt steht nicht ohne Herausforderungen: Assam ist geprägt von monsunbedingten Überschwemmungen, unwegsamen Pfaden und begrenzter Infrastruktur. Doch die Erfolge sprechen für sich. Die K9-Teams verbessern nicht nur die Präsenz in gefährdeten Gebieten, sie erhöhen die Sicherheit der Patrouillen, ermöglichen Spurensicherung und stärken das Vertrauen der Forstbehörden in moderne Ermittlungsmethoden.
Unterstützt durch die NABU International Naturschutzstiftung und TeeGschwendner, wird dieses Programm stetig weiterentwickelt: medizinische Versorgung, Training, Ausrüstung, faire Gehälter – alles trägt dazu bei, dass Hund und Mensch gemeinsam einsatzbereit bleiben. Die Wirkung ist nicht nur messbar, sondern auch spürbar: in den Blicken der Handler, im Verhalten der Wildtiere, in der wachsenden Aufmerksamkeit der lokalen Bevölkerung.
Assams Wälder sind reich an Leben – doch dieses Leben ist bedroht. Mit jeder Patrouille, jedem Fundstück, jedem erfolgreichen Training wächst die Chance, es zu bewahren. Die Geschichte dieser Hunde ist nicht nur eine über Spürsinn und Disziplin. Es ist eine über Verantwortung, Respekt – und die Kraft des Zusammenhalts.
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