Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Sri Lanka noch fast 20.000 wildlebende Elefanten. Schätzungen zufolge leben heute nur rund 7000 Elefanten in dem südasiatischen Land.
Damit gehört der Sri-Lanka-Elefant laut der Weltnaturschutzunion IUCN zu den stark gefährdeten Arten. Und der Lebensraumverlust für die Elefanten schreitet weiter voran: Neue Siedlungen entstehen, Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung werden ausgeweitet. Das führt wiederum zu Mensch-Wildtier-Konflikten, denen jährlich etwa 400 Elefanten sowie mehr als 100 Menschen zum Opfer fallen.
Das Problem: Hungrige Elefanten als Existenzbedrohung
Die Elefanten des Wasgamuwa-Nationalparks stoßen bei der Nahrungssuche auf die Reisspeicher und -felder der kleinbäuerlichen Familien im Umfeld des Parks: Elefanten ernähren sich ausschließlich von Pflanzen und verzehren bis zu 200 Kilogramm Nahrung am Tag. Entdecken Elefanten die Reisvorräte einer Familie, bedeutet das für diese die Bedrohung ihrer Existenz. Denn die Elefanten können in kürzester Zeit eine gesamte Jahresernte zunichtemachen. Nicht verwunderlich sind daher Vergeltungshandlungen der vielfach am Existenzminimum lebenden Bäuer*innen, die den Reis ausschließlich für die eigene Versorgung anbauen.

Die Lösung: Orangenhaine ersetzen Reisfelder
Um diesen Konflikten etwas entgegenzusetzen, engagiert sich die NABU International Naturschutzstiftung seit 2018 gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation „Sri Lanka Wildlife and Conservation Society“ (SLWCS) für ein friedliches Zusammenleben von Elefanten und Menschen.
Das Projekt macht sich einen einfachen Umstand zunutze: Elefanten haben eine starke Abneigung gegen Zitrusfrüchte und meiden ihre Nähe. Der traditionell in Sri Lanka angebaute Reis stellt hingegen eine „Leibspeise“ für Elefanten dar. Er entwickelt folglich eine enorme Anziehungskraft auf die Tiere. Im Rahmen unseres Projekts werden Orangenhaine als Barrieren errichtet oder die Reisfelder durch Orangenhaine ersetzt. Auf diese Weise halten sich die Elefanten fern, der Hass ihnen gegenüber versiegt.
Was wir seit 2018 erreicht haben
25.000 Bäume gegen Armut und für Elefantenschutz
In unserem Projekt konnten wir gemeinsam mit lokalen Gemeinden viel erreichen. Bislang wurden 14 Dörfer in die Maßnahmen einbezogen und 320 Kleinbauernfamilien unterstützt. Mehr als 25.000 Orangenbäume wurden bereitgestellt und gepflanzt.
Durch die Umstellung auf den Orangenanbau konnten zudem 75 Hektar landwirtschaftlich genutzter Flächen vor weiterer Brandrodung geschützt werden. Fünf gemeinschaftsbasierte Bauernorganisationen wurden gegründet, um den Anbau und die Vermarktung der Orangen gemeinsam zu organisieren.
Die Maßnahmen zeigen deutliche Erfolge, um ein weitgehend friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Elefanten zu ermögilchen: In elf untersuchten Projektdörfern ging die Zahl der jährlichen Vorfälle mit Sachschäden zwischen 2019 und 2022 um über 80 Prozent zurück. Seit Beginn der Baumpflanzungen wurden in den teilnehmenden Projektgemeinden keine konfliktbedingten Todesfälle von Menschen oder Elefanten mehr registriert.
Weniger Konflikte, mehr Elefanten
Die Zahl der in den Konflikten zwischen Menschen und Elefanten getöteten Individuen ist in den Projektregionen beinahe auf Null gesunken.
Darüber hinaus bringt das Projekt noch eine weitere Verbesserung für die Situation der Menschen vor Ort mit sich: Der Verkauf der Orangen bringt den Familien ein sicheres Einkommen. Denn die Setzlinge wachsen innerhalb von anderthalb bis zwei Jahren zu Bäumen heran, die jährlich zwischen 300 und 600 Früchte tragen.
Die Schaffung solcher ökonomischen Perspektiven führt dazu, dass das Interesse der Kleinbäuer*innen an unserem Projekt ungebrochen ist.
Alle Informationen zur sicheren Datenverarbeitung finden Sie in unserem Datenschutzhinweis.




