International.NABU.de Projekte Moore in Russland Hintergrund
Moorschutz ist wichtiger denn je
Moorschutz ist wichtiger denn je
Appell zum Internationalen Tag der Feuchtgebiete
02. Februar 2012 - Zunehmender Torfabbau, anhaltende Zerstörung von Mooren und Schutzgebiete in schlechtem Zustand: Die NABU International Naturschutzstiftung erinnert zum heutigen internationalen Tag der Feuchtgebiete daran, dass dringend mehr für den Schutz unserer Moorlandschaften getan werden muss.
Moorbläulinge sind wie einige andere Arten an den Extremlebensraum angepasst.
Moore sind nicht nur Lebensraum einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, sie sind auch ein wichtiger Wasserspeicher und Filter in unserer Landschaft. Außerdem haben sie als Kohlenstoffspeicher eine große Bedeutung für den weltweiten Klimaschutz. Obwohl sie nur drei Prozent der Landfläche bedecken, enthalten Moore 30 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs. Nach der Entwässerung für die Landwirtschaft oder den Torfabbau wird dieser mobilisiert und heizt als klimaschädigendes CO2 unsere Atmosphäre auf. Besonders dramatisch sind die riesigen Torfbrände, welche regelmäßig in den trockengelegten Mooren wüten. Allein im Jahr 2010 wurden durch verheerende Brände in russischen Mooren bis zu 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Riesige Moorflächen gingen auf diese Weise für immer verloren, zahlreiche Tier- und Pflanzenarten des Moores haben ihren Lebensraum verloren.
In der Region Taldom 80 Kilometer nördlich von Moskau liegen einige der größten Moorflächen Russlands. Sie sind die Heimat bedrohter Vogelarten wie Kranich und Schelladler, die ihre Nester in den Moorgebieten Osteuropas bauen.
Gemeinsam mit der Manfred-Hermsen-Stiftung und „Birds Russia“, dem potenziellen russischen BirdLife-Partner, setzt sich die NABU International Naturschutzstiftung für den Schutz der Moore ein. Das Wiedervernässungsprojekt „Boblik“ soll helfen, die Treibhausgas-Emissionen zu verringern und insbesondere den Lebensraum vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten langfristig zu sichern.
Moorschutz bedeutet Klimaschutz
Hintergrund zur Bedeutung der Moore
Torfmoose speichern Wasser wie ein Schwamm.
Moore entstehen durch einen ständigen Wasserüberschuss. Die Feuchtigkeit sorgt für einen Sauerstoffmangel in den Böden, wodurch pflanzliche Überreste nicht vollkommen abgebaut werden können. Aus diesen Resten entsteht der typische Torfboden. Die Torfschicht wächst pro Jahr nur etwa einen Millimeter, es dauert also tausend Jahre, bis ein einziger Meter Torf entstanden ist.
Mit einer Fläche von vier Millionen Quadratkilometern weltweit bedecken Moore nur etwa drei Prozent der gesamten Landfläche der Erde. Für diese relativ kleine Fläche ist es umso erstaunlicher, dass Moore über 30 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs speichern, weit mehr als zum Beispiel Wälder.
Torfbrände schweelen auch unterirdisch und sind schwer kontrollierbar.
Werden Moore entwässert, dringt Sauerstoff in die Torfschicht ein. Dabei wird der Kohlenstoff in Kohlendioxid umgewandelt, entweicht in die Atmosphäre und verstärkt den Treibhauseffekt. Die trockenen Böden erhöhen die Gefahr von Torfbränden, die sich auf den entwässerten Flächen schnell ausbreiten. Verbrennt Torf, steigt der Ausstoß an Kohlendioxid noch stärker an. Bei ihrer Trockenlegung werden Moore damit zu den größten Kohlenstoffemittenten der Welt. Allein im europäischen Teil Russlands lagern 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Torf der Moorböden. Russland liegt beim Ausstoß von Kohlendioxid aus Moorböden gleich hinter Indonesien an zweiter Stelle.
Schelladler
Moorpflanzen sind wahre Spezialisten, die sich an die besonderen Bedingungen im Moor angepasst haben. Für ihr Wachstum nehmen sie das Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und bilden Torf. Typisch für die Vegetation im Moor sind Torfmoose, Seggenriede, Röhricht und Erlenbrüche. Auch zahlreiche Tierarten sind auf feuchte Moorböden angewiesen: der Kranich, ein großer Schreitvogel mit langem Hals und langen Beinen, sowie der dunkelbraune Schelladler mit einer Flügelspannweite von eineinhalb Metern bauen ihre Nester in den wasserreichen Moorlandschaften Russlands.
Um die besondere Artenvielfalt der Moore zu erhalten, ist die einzige Lösung, sie in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, also sie wiederzuvernässen.
Wiedervernässung im russischen Taldom
Lebensraum retten und Torfbrände verhindern

Jahr für Jahr werden weltweit riesige Moore trockengelegt, um Flächen für die Industrie und Landwirtschaft zu schaffen und um Torf zu gewinnen. Zu ihrer Entwässerung werden Gräben und Rohre angelegt. Torfbrände, die in dem vertrockneten Lebensraum leicht entfachen, schädigen Klima und Gesundheit. NABU International hilft das Wasser im Moor zu halten und sorgt für Aufklärung vor Ort.
Mehr
Eine gewaltige Dimension
Moorschutz in Westsibirien

Ein Novosibirsker Moorforscher wurde von einem amerikanischen Kollegen einmal gefragt, wie denn das größte Moor seines Landes heiße und ob er eine russische Karte habe, um es ihm zu zeigen. Der Sibirier nahm einfach einen Globus und zeigte auf ein tiefgrüne Fläche: „Bolshoye Vasyuganskoye Boloto“, über sechs Millionen Hektar. Das größte Moor der Welt.
Mehr
Deutscher Moorschutzfonds gegründet
Neues Instrument zur Finanzierung von Natur- und Klimaschutzprojekten

Ursprünglich prägten Moore vielerorts das Landschaftsbild Deutschlands. Heute sind nur noch zehn Prozent dieser Flächen erhalten. Mit dem NABU-Moorschutzfonds wird ein Instrument geschaffen, mit dem dauerhafte Moorschutzprojekte in Deutschland finanziert werden sollen. Durch die gezielte Kombination mit Fördergeldern soll das aus dem Moorschutzfonds eingesetzte Geld vervielfacht werden.
Mehr

