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Wisente und Weltnaturerbe
Wisente und Weltnaturerbe schützen
Projekt des NABU International im Kaukasus
Noch gibt es sie in freier Natur! Die letzten 470 Bergwisente der Welt leben in den Bergen und Wäldern des Kaukasus. Doch sie sind die letzen ihrer Art und hoch gefährdet. Und das obwohl das circa 300.000 Hektar große Naturreservat „Westkaukasus“ im Jahr 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt worden ist.
Das UNESCO-Weltnaturerbegebiet Westkaukasus ist ein Naturparadies und ein einzigartiges Beispiel einer großräumigen, weitestgehend unbeeinflussten Hochgebirgslandschaft. Sie repräsentiert fast alle Ökosystemtypen des Großen Kaukasus. Auf der 3000 Quadratkilometer großen Fläche leben 74 Säugetier-, 246 Vogel- und über 3000 Pflanzenarten. Viele von ihnen sind endemische Kaukasus-Arten, also Tiere oder Pflanzen, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Allein 39 Wirbeltierarten unter ihnen sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht, so auch das Kaukasische Wisent.
Das Weltnaturerbegebiet ist in seiner alpinen Lage, Größe und Artenvielfalt weltweit einmalig und bietet eine Vielzahl optimaler Lebensräume für die Wisente. Der NABU, Stifter der NABU International Naturschutzstiftung, war maßgeblich daran beteiligt, dass das Gebiet im Jahr 1999 als UNESCO-Weltnaturerbegebiet Westkaukasus ausgewiesen wurde. Gemeinsam mit staatlichen und nicht-staatlichen Partnern engagiert sich der NABU für den Naturschutz und die nachhaltige Entwicklung der Region und stärkt örtliche Umweltorganisationen. NABU International unterstützt dieses NABU-Projekt zum Schutz der letzten Wisente im Kaukasus und der dichten Nordmanntannenwälder, in denen sie leben.
Der kaukasische Bergwisent
Das Wisent (Bison bonasus) besiedelte einst einen großen Teil des europäischen Kontinents vom Norden Spaniens über Mitteleuropa und die skandinavische Halbinsel bis ins Baltikum und zum Kaukasus. „König der Wälder“ werden die Wisente im Kaukasus genannt. In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Tierart vollständig ausgerottet. Nach jahrzehntelangen Rückzüchtungen aus weltweit übrig gebliebenen 48 Wisenten, die fast ausschließlich in deutschen Gehegen überlebt haben, ist es gelungen die Tierart in einige Wälder zurückzuholen.
Heute besiedeln wieder etwa 1000 wildlebende Flachlandwisente Polen, Russland und die Ukraine. Im Juni 1940 konnten die ersten fünf Bergwisente im Kaukasus wiederangesiedelt werden. Bis 1985 hatten sie sich 140.000 Hektar Bergwälder und alpine Wiesen zurückerobert. Mit fast 1400 Tieren entwickelte sich die Population des Reservates Kavkazsky im nördlichen Westkaukasus zur größten Wisentpopulation weltweit.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nahm jedoch die Wilderei in diesem Gebiet ein beispielloses Ausmaß an. In den Jahren 1994 und 1995 verringerte sich die Bestandszahl schlagartig auf etwa 150 Tiere. Sogar in den schwer zugänglichen zentralen Teilen des Reservates Kavkazsky sank die Zahl der Wisente auf wenige dutzend Tiere.
Um das erneute Aussterben der Tierart zu verhindern und eine stabile Population aufzubauen, engagiert sich der NABU seit nunmehr 15 Jahren im Westkaukasus. Entscheidend für den Schutz der Tiere war die Ausweisung des UNESCO-Weltnaturerbegebietes Westkaukasus. Das rund 3000 Quadratkilometer große Weltnaturerbegebiet ist in seiner alpinen Lage, Größe und Artenvielfalt weltweit einmalig und bietet eine Vielzahl optimaler Lebensräume für die Wisente. Es hat sich gezeigt, dass die Population in der Kernzone des Biosphärenreservates, wo auch die vom NABU gegründete Anti-Wilderer-Einheit aktiv ist, sogar wächst. Mit einem jährlichen Populationszuwachs von mindestens 15 Prozent kann der Bestand hier als nahezu stabil bezeichnet werden.
Normalerweise bevorzugen Bergwisente im Winter dichte Nordmanntannenwälder, während sie den Sommer oberhalb der Baumgrenze im Hochgebirge verbringen. Normalerweise. Denn seit einigen Jahren beobachten wir zunehmend, dass die intelligenten Tiere auf der Flucht vor Jägern auch im Hochgebirge überwintern, weil sie sich durch die für Wilderer unüberwindbaren Schneeflächen sicher fühlen. Doch reicht dort die Nahrung nur in milden Wintern – in strengen drohen die Wisente in ihrer letzten Zuflucht zu verhungern. Daher sind weitere gezielte Schutzmaßnahmen nötig.
Ranger ausbilden und die Schwächsten schützen
Bergwisente sind sehr sozial und ziehen ihre Nachkommen liebevoll auf.
Um das Überleben der Wisente zu sichern und die Tiere an die am besten geeigneten Habitate zu gewöhnen werden die Schutzmaßnahmen auf Gebiete ausgedehnt, in denen sich die Wisente bevorzugt aufhalten. Sie werden den Wisenten durch das Zufüttern von Heu in strengen Wintern und durch Salzleckstellen schmackhaft gemacht. Das Vorkommen natürlicher Salzquellen und die ausreichende Verfügbarkeit von Nahrung im Winter begrenzen die Verbreitung der Wisente entscheidend. Durch die Futter- und Salzleckstellen werden die Tiere langfristig an die für ihr Überleben optimalen Gebiete gewöhnt, wo sie sich unter schrittweisem Ausschluss anthropogener Einflüsse erfolgreich vermehren sollen. Als weitere Maßnahme planen wir die Zufütterung in extrem kalten Wintern. Wenn wir Heu bereitstellen und Salzleckstellen für die Bergriesen errichten, retten wir besonders die Schwächsten, die kleinen Kälber.
Ab 2010 werden einzelne Tiere mit GPS-Sendern ausgestattet, um die Lebensräume zu identifizieren, die Wisenten vorrangig nutzen. Auf Basis der GPS-Daten werden diese Gebiete dann in das Schutzgebiet integriert.
Wir müssen die Heimat der Wisente wieder zu einem sicheren Ort machen. Dafür werden wir Ranger vor Ort ausbilden und dann zwei Antiwilderer-Einheiten aufstellen. Wenn diese das Reservat kontrollieren, können sich die Wisente wieder frei bewegen, ohne den Menschen fürchten zu müssen.
Spenden Sie jetzt für den Schutz der letzten Wisente und der Wälder, in denen sie leben!
Volkszählung unter Schwergewichten
Gestärkte Anti-Wilderereinheit im Westkaukasus

Im Rahmen des Projektes zum Schutz der letzten freilebenden Bergwisente hat der NABU den ersten Lehrgang für die neu gegründete Antiwilderereinheit erfolgreich abgeschlossen. Ein Teil des Lehrgangs war die professionelle Großwildzählung. Vor kurzem begannen die Ranger neben Kaukasischen Hirschen, Turen und Gämsen auch Bergwisente im Naturpark „Bolschoj Tchatsch“ zu erfassen.
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